Beim morgendlichen Spaziergang mit seinem Hund nahm ein hier namentlich nicht benannter Einheimischer auf dem Weg von Neschen zur Neschermühle einen Transporter mit einer unbekannten männlichen Person wahr.

Auf Nachfrage erklärte der Fremde freundlich, er sei ein „Mastprüfer“. Der einheimische Gassi-Gänger wusste damit nichts anzufangen, gab es doch seit Jahren keinen Mastbetrieb mehr in seinem Heimatort.
Obwohl er viel zu tun hatte, nahm sich der freundliche Prüfer schließlich die Zeit, seine Tätigkeit genau zu beschreiben:
Alle 6 Jahre wird die Stand- und Betriebssicherheit der im Telekommunikationsnetz verwendeten Holzmasten kontrolliert, um Schäden und Sicherheitsrisiken frühzeitig zu erkennen.
Die Stabilität wird über eine Bohrwiderstandsmessung ermittelt.
Der Prüfer positioniert dabei ein Spezialgerät an verschiedene Stellen des Mastes. Anschließend dreht er an der einen Seite einen Knopf, wodurch auf der anderen Seite eine feine Nadelspitze heraustritt und in das Holz gebohrt wird.

Die lange, dünne Bohrnadel (Schaftdurchmesser 1,5 und Kopfdurchmesser 3 mm) wird mit gleichmäßigem Vorschub in das Holz gedrückt. Dabei wird der Widerstand beim Bohren gemessen und protokolliert.

Die Messkurve zeigt:
- Gesundes Holz: Hoher Widerstand, da die Nadel sich durch dichtes, festes Holz arbeiten muss
- Fäule/Hohlraum: Der Widerstand sinkt abrupt ab, da die Nadel auf weicheres, zersetztes oder gar kein Material trifft.
Nach der Messung überträgt das Hightech-Gerät die Daten direkt in ein spezielles Smartphone-Programm. Die ermittelten Werte werden über die Scannung eines QR-Codes dem geprüften Mast zugeordnet.

Danach landet das Protokoll in der zentralen Telekom-Datenbank.
Über diese Bohrwiderstandsmessung lässt sich die Verfassung des Holzes prüfen und es kann feststellt werden, ob der Mast noch massiv oder schadhaft ist.
Im Freileitungsnetz der Deutschen Telekom gibt es etwa 3 Millionen Holzmasten für Telekommunikationsleitungen, um das ländliche Netz zu versorgen, auch wenn die genaue Zahl sich durch den Netzausbau (ggf. unterirdisch) ständig ändert. Diese Masten tragen nicht nur alte Kupferkabel, sondern werden zunehmend auch für neue Glasfasernetze genutzt.
Sie werden geprüft aus Gründen der:
- Wartung: Identifizierung von Schwachstellen, bevor größere Schäden entstehen.
- Sicherheit: Vermeidung von Mastumstürzen und damit verbundenen Gefahren.
- Betriebssicherheit: Sicherstellung der Funktionalität der Leitungen und Anlagen.
Der „fürwitzije Neschener“ und auch sein Hund haben viel gelernt.

Wenn es in 6 Jahren vielleicht ein Wiedersehen gibt, muss sich der freundliche Mastprüfer nicht mehr die Frage stellen lassen: „Bat michs Du dann doh?“.

