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Menschenrettung kennt keine Zuständigkeiten

Am Freitag, den 20. März 2026 fand eine gemeinsame Übung der Feuerwehren aus Strauscheid, Fernthal und Breitscheid statt. Außergewöhnlich ist dabei, dass die Zusammenarbeit nicht nur über die Zuständigkeiten der Wehren innerhalb der Verbandsgemeinde Asbach hinaus geht, sondern auch über die Kommunalgrenzen hinweg ausgedehnt wurde.

In Kürze wird der nördliche Gebäudekomplex des Niedax Technologie Campus in Rahms abgerissen.

Sicht aus Richtung Neschen/Scharenberg auf das Niedax-Gelände. Die rot umrandeten Gebäude müssen der neu zu errichtenden Produktionshalle weichen.

Vor diesem Hintergrund wandte sich der Strauscheider Wehrführer Gero Trenkler an die Firma Niedax mit der Anfrage, ob vor dem geplanten Abriss noch eine Übung auf dem Gelände durchgeführt werden könne. Die Geschäftsführung stimmte dem Vorhaben dankenswerterweise zu, sodass die Führungskräfte der Feuerwehren aus Strauscheid, Fernthal und Breitscheid ein entsprechendes „Drehbuch“ ausarbeiten konnten.


Ausgangslage war, dass das leerstehende Gebäude von Obdachlosen besetzt worden sei und diese aus Unachtsamkeit ein Feuer entfacht hätten. Aufmerksame Anwohner von Rahms hätten den Rauch bemerkt und einen Notruf abgesetzt.

Rauchentwicklung im Niedax-Gebäude

Daraufhin wurde die Strauscheider Feuerwehr alarmiert.

Nachdem sich die Einsatzkräfte einen kurzen Überblick über die Lage verschafft hatten, begannen sie umgehend mit dem Aufbau einer Löschwasserversorgung aus dem Löschteich auf dem Betriebsgelände der Firma Niedax.

Strauscheider Wehr beim Pumpen des Löschwasser vom Teich zum Haupteingang des brennenden Gebäudes.

Gleichzeitig alarmierten sie die Fernthaler Feuerwehr zur schnellstmöglichen Brandbekämpfung, da diese über ein Löschfahrzeug mit einem 1.000-Liter-Tank verfügt. (Dieser Wasserspeicher reicht jedoch beim Löscheinsatz lediglich für 1 bis 2 Minuten.)

Das „Löschgruppenfahrzeug (LF10/10) im Einsatz

Angesichts des Ausmaßes des Brandes wurde entschieden, zusätzlich die Feuerwehr Breitscheid mit ins Boot zur Unterstützung hinzuzuziehen.

Zwischenzeitlich erhielten die Einsatzkräfte die Information, dass noch 5 Obdachlose vermißt würden. Damit lautete das oberste Ziel nun: „Menschenrettung geht vor!“

Entsprechend hatte der Einsatz der Atemschutztrupps den höchste Priorität.
Es wurden 5 Trupps à 2 Personen eingesetzt:

  • 1 Trupp von der Strauscheider Wehr
  • 1 Trupp von der Breitscheider Wehr
  • 3 Trupps von der Fernthaler Wehr

Um die Zusammenarbeit der Vielzahl an Kräften zu koordinieren, wurden mehrere Abschnitte gebildet.

Abschnitt 1 – „Innenangriff“

Unter der Leitung der Fernthaler Wehr wurden die Atemschutztrupps eingesetzt.

Schwerstarbeit für die Atemschutzgeräteträger

Unterstützend wurden taktische Lüftungsmaßnahmen durchgeführt.

Durch den Einsatz der beiden Lüfter wurde die Sicht für die Suchtrupps wesentlich verbessert.

Abschnitt 2 – „Außenangriff“

Die Brandbekämpfung im Außenbereich wurde durch die Breitscheider Wehr durchgeführt und koordiniert.

Über tragbare Leitern gelangten die Feuerwehrmänner auf das Flachdach des Gebäudes zur „Riegelbildung“, um das Übergreifen der Flammen auf benachbarte Gebäudeteile zu verhindern.

Die Strauscheider Wehr baute ein „Hydroschild“ zum Schutz der gefährdeten Gebäude auf.

Abschnitt 3 – „Löschwasserversorgung“

Die Strauscheider Wehr stellte die Wasserversorgung sicher.

Um den Löschwasserbedarf zu decken, wurden 2 Tragkraftspritzen (tragbare motorbetriebene Feuerlöschpumpen) am Löschwasserbecken in Stellung gebracht.

Da die Übung in den Abendstunden stattfand, war die Beleuchtung des Geländes ein großes Thema. Auch dafür sind die 3 Wehren bestens ausgestattet.

An allen relevanten Stellen wurden optimale Lichtverhältnisse geschaffen.

Leider ist dies bei den neueren Krimis der „Tatort“Reihe nicht immer der Fall – im „Drehbuch der Feuerwehr“ gab es jedoch ein „Happy-End“:
Alle 5 vermissten Personen sowie ein Kleinkind konnten gerettet und der Brand schnell gelöscht werden.

Sinn und Zweck dieser Veranstaltung war jedoch das Erreichen der gesetzten Übungsziele:

  • Die beteiligten Atemschutzgeräteträger konnten ihre jährlich verpflichtende Bewährungsprobe absolvieren. (Die Fernthaler Feuerwehr hat 14 Atemschutzgeräteträger.)
  • Die Einsatzkräfte machten sich mit den Gegebenheiten auf dem Niedax-Gelände vertraut. (Im Zuge der Betriebserweiterung wird auch das Volumen des Löschteichs von bisher 600m³ auf 3.400m³ vergrößert.)
  • Das Zusammenspiel der drei benachbarten Wehren wurde weiter vertieft und funktionierte einwandfrei.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass die Quatität der Freiwilligen Feuerwehren unserer Region auf höchstem Niveau ist und die Einsatzbereitschaft als „hervorragend“ bezeichnet werden kann.


Nach der Übung luden die Strauscheider ihre Kollegen zur Nachbesprechung in ihr Feuerwehrhaus ein.

In geselliger Runde stellte man schnell fest, dass auch noch ein viertes Ziel der Übung erreicht worden war:
Die tolle Kameradschaft unter den beteiligten Feuerwehrleute (über die Wehrgrenzen hinweg) wurde durch dieses gemeinsame Erlebnis wieder einmal unter Beweis gestellt und vertieft.

Leider endete der gemütliche Teil bereits um 22.00 Uhr beendet, doch damit war der Übungstag noch lange nicht abgeschlossen. Noch am selben Abend wurde für Fahrzeuge und Equipment die Einsatzbereitschaft wieder hergestellt.