Im Juli vergangenen Jahres wagten sich die Dreischläger Wandervögel an ihren ersten Versuch, den legendären „Heilbronner Weg“ am zentralen Allgäuer Hauptkamm zu erklimmen. Der berühmte und als „hochalpinster“ Höhenweg bekannte Klassiker gilt als anspruchsvolles Bergsteiger-Highlight und verläuft auf der gesamten Strecke in Höhenlagen von über 2.400 Metern.
Doch leider war den tapferen Westerwäldern damals das Bergsteiger-Glück nicht hold: Aufgrund der miserablen Wetterlage war der Höhenweg gesperrt. Schweren Herzens musste man in strömendem Regen auf weniger anspruchsvolle Alternativrouten ausweichen.
Da die Dreischläger Wandervögel ausschließlich aus Mitgliedern der KG Fernthal bestehen, wurde die Tour auf dieser Seite unter dem Titel „Jecke öm Rähn“ beschrieben.

Doch Aufgeben kam natürlich nicht infrage. In diesem Jahr startete man deshalb den zweiten Versuch – und diesmal gleich vorweg: Das Wetter war perfekt!
Beste Voraussetzungen also für die Wandervögel, endlich das nachzuholen, was ihnen im vergangenen Jahr verwehrt geblieben war.
Donnerstag, 27. August 2026
Um 14.00 Uhr fuhren die 8 Abenteurer in Fernthal los.

Nach dem Einchecken fanden die Männer in der „Dampfbierbrauerei“ einen Tisch – unmittelbar vor der Live-Band, an dem sie bis 22.00 Uhr verweilten. Danach machte man sich auf ins Hotel. Auf dem Weg dorthin lag eine Kellerkneipe, an der man jedoch nicht so einfach vorbei kam. Den finalen Gang ins Bett fanden die Abenteurer daher erst um 1.00 Uhr.
Freitag, 28. August 2026
Am Freitag, den 28. August, war es endlich so weit: Der Heilbronner Weg wartete!

Doch bereits am frühen Morgen gab es den ersten Rückschlag. Mario Müller fühlte sich gar nicht gut. Schüttelfrost machte dem sonst so lustigen Wandervogel zu schaffen und es keimte schnell ein schrecklicher Verdacht auf: Hatte ihn etwa tatsächlich die gefürchtete „Vogelgrippe“ erwischt?
Der sichtlich angeschlagene Kerl zog daraufhin bedrüppelt die Notbremse und verordnete sich selbst „Stallpflicht“. Statt Höhenluft und Bergpanorama hieß es für den erkrankten Wandervogel daher: Ab ins Nest und ordentlich auskurieren!
Bergführer Benedikt Kolkmann und Marios Kameraden unterstützten die vernünftige Entscheidung mit Bedauern, doch lange Trübsal blasen war keine Option. Schließlich wartete der Berg!
Also hieß es: Rucksäcke auf und ab in den Bus nach Birgsau. Von dort ging es zu Fuß weiter – zunächst über Einödsbach (1.114 m), der südlichsten Siedlung Deutschlands, und anschließend weiter hinauf zur Petersalpe.

Doch die Truppe marschierte unbeirrt weiter durch die herrliche Berglandschaft in Richtung Enzianhütte auf 1.780 Metern.

Und dann wurde es spannend: Exakt zehn Meter vor der Hütte öffnete der Himmel seine Schleusen. Besser hätte man es kaum timen können. So ging es trockenen Fußes in die gemütliche Gastwirtschaft.
Während es draußen regnete, ließ es sich die Truppe bei einer wohlverdienten Pause gut gehen.
Ganz vergessen hatte man dabei natürlich den armen Mario nicht. Man fragte sich, wie es ihm wohl gerade erging. Dank künstlicher Intelligenz konnte man simulieren, wie es wohl wäre, wenn er mitgekommen wäre.

Nach einer guten Stunde war der Spuk vorbei und der Regen hatte aufgehört. Marc und Philipp nutzten die Gelegenheit, ein Foto aus dem Jahr 2025 möglichst originalgetreu nachzustellen.

Bei besten Wanderbedingungen wurde der Aufstieg fortgesetzt. Schließlich erreichte die Truppe das Etappenziel des ersten Tages: die Rappenseehütte auf 2.092 Metern.

Die inzwischen kräftiger werdende Sonne vertrieb nicht nur Wolken und Nebel, Marc und Philipp fühlten sich animiert zu einem erfrischenden Bad im eiskalten Rappensee.

Nur kurze Zeit später zeigte sich der Rappensee in einem völlig anderen Licht. Plötzlich lag der Bergsee in strahlendem Sonnenschein.

In der Hütte wurden noch ein paar gesellige Stunden verbracht. Doch die dort vorgeschriebene Nachtruhezeit, die mahnenden Worte des Bergführers und nicht zuletzt der inzwischen erreichte Müdigkeitspegel sprachen die gleiche Sprache. So trotteten die Wanderfreunde mit ordentlicher Bettschwere um 22.00 Uhr in ihr gemeinsames Schlafgemach.
Samstag, 29. August 2026
Bereits um 6.00 Uhr standen die ausgeschlafenen Jungs voller Tatendrang und in freudiger Erwartung auf den bevorstehenden Tag auf.

Zunächst dachte man noch: „Jetz simme awwe fröh dran!“ – doch ein Blick aus dem Fenster belehrte die Westerwälder eines Besseren. Andere Alpinisten waren offensichtlich schon längst unterwegs!
Um 7.30 Uhr waren dann auch die Dreischläger Wandervögel so weit.

Schnell stellte sich heraus, dass der Weg zum ersten Gipfel, dem „Hohe Licht“, nicht unbedingt unter die Kategorie „gemütlicher Wanderweg“ fiel. Stattdessen wartete ein Klettersteig auf die Jungs.

Auf vielfältige Weise wurde man nun an die mahnenden Worte des Bergführers erinnert. Enge Passagen am Rand tiefer Schluchten und die allgegenwärtige Steinschlaggefahr sorgten dafür, dass neben körperlicher Fitness auch die Schärfe sämtlicher Sinne gefragt war.
Die Gruppe arbeitete sich jedoch erstaunlich zügig nach oben und bereits um 9.00 Uhr war der 2.651 Meter hohe Gipfel des zweithöchsten Bergs der Allgäuer Alpens erreicht.

Der Abstecher auf das Hohe Licht war allerdings eine „Extratour“ und so musste man wieder einen halbstündigen Abstieg absolvieren, um zum „Heilbronner Törle“, dem Startpunkt des Heilbronner Weges zu gelangen.

Dort angekommen, erwartete die Jungs dann weniger alpine Einsamkeit als vielmehr reger Publikumsverkehr. Dem Bekanntheitsgrad des Höhenweges entsprechend herrschte dort Hochbetrieb. Für ausgiebige Fotos von der grandiosen Hochgebirgslandschaft blieb daher kaum Zeit. Schließlich wollte man nicht den halben Alpenverein aufhalten.
Zwei markante Passagen wurden jedoch bildlich festgehalten:
1. Die Heilbronner Leiter:

2. Die Brücke auf dem Heilbronner Weg:

Am Ende des Heilbronner Wegs wartete mit dem Bockkarkopf auf 2.609 Metern noch einmal ein richtiger Brocken auf die Bergsteiger.

Anschließend erfolgte der Abstieg über die Bockkarscharte zum Waltenberger Haus.

Leider wartete dort eine unangenehme Überraschung: Wegen Wassermangels gab es für die inzwischen ordentlich durchgeschwitzten Alpinisten keine Duschgelegenheit. Nach einem langen Tag in den Bergen wäre eine Dusche durchaus willkommen gewesen.
Der guten Stimmung tat dies allerdings keinen Abbruch. Während der Wanderung waren zahlreiche Enzianpflanzen zu sehen gewesen. Was lag also näher, als den botanischen Tagesbegleiter anschließend auch in flüssiger Form auf der Dachterasse zu würdigen?

Ein besonderes Ereignis war der Besuch eines Steinbocks, der bis an die Terasse kam:
Auch im Waltenberger Haus gilt normalerweise strenge Nachtruhe ab 22.00 Uhr. Doch offenbar hatten die Betreiber ein Einsehen mit den besonderen Gästen aus dem Westerwald. Für die Jungs wurde die Nachtruhe kurzerhand um eine dreiviertel Stunde nach hinten verschoben.
Ein Entgegenkommen, das selbstverständlich mit großer Dankbarkeit und hoher Getränkeverzehrfrequenz angenommen wurde.
… und natürlich dachten alle an den lieben Mario, der das alles nicht (live) miterleben konnte.

Sonntag, 30. August 2026
Auch am Sonntag ging´s früh los: 6.00 Uhr Aufstehen – 7.30 Uhr Abmarsch
Bei bestem Wanderwetter glich der Abstieg im Vergleich zum Vortag schon fast einem gemütlichen Spaziergang.

Und einer kam tatsächlich noch zum Abstieg dazu: der Steinbock!

Nach einer gemütlichen Einkehr in Birgsau, wo noch ein Süppchen geschlürft wurde, ging es mit dem Bus zurück nach Oberstdorf. Dort trafen die Dreischläger Wandervögel gegen 10.00 Uhr wohlbehalten und – zumindest äußerlich – unbeschadet ein.
In Oberstdorf wartete bereits Mario Müller mit dem Büschen. Zwar noch leicht angeschlagen, aber immerhin fahrtüchtig, übernahm er den Chauffeurdienst und brachte seine Kameraden sicher in Richtung Heimat.
Während der Fahrt wurde Mario dann allerdings noch einmal ordentlich die Nase lang gemacht. Schließlich hatte er einiges verpasst – und die anderen hatten natürlich reichlich zu erzählen.
Mit der Ankunft in Fernthal endete um 17.30 Uhr eine ereignisreiche Bergtour, die (fast) allen Beteiligten wohl noch lange in bester Erinnerung bleiben dürfte.
„Jecke öm Sunnesching“ oder „Jecke öm Rähn“ für den sportlichen Part machte das einen gewaltigen Unterschied, denn am Wetter hing letztlich die Frage: Heilbronner Weg – JA oder NEIN?
Für den Zusammenhalt der Dreischläger Wandervögel spielte das Wetter dagegen überhaupt keine Rolle. Die Tourteilnehmer hätten liebend gerne auf den schönen Sonnenschein verzichtet, wenn dafür ALLE GEMEINSAM hätten mitwandern können.
